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21. Mai 2009, 18:02

Idylle - vom Aussterben bedroht

Mülleimer im Kürnberger-Wald

Die Sonne strahlt, der Berg, der lacht - und wir spazieren durch den Wald. Ich fotografiere - aber irgendetwas stört die Wald-Idylle...

Okay, allemal besser, als wenn der Abfall am Boden verstreut wäre.

Eigentlich keine schlechte Alternative also.

Bei der Ausstellung 1898 - 1938 - 2008 im Stadtmuseum Leonding, Turm 9, habe ich einen interessanten Denkanstoß zur Entwicklung des Konsumverhaltens bekommen. Früher gab es eine persönliche Beziehung zwischen dem Erzeuger und dem Konsumenten, die sich auf dem Leondinger Markt trafen. Der eine war dort, um seine Erzeugnisse zu verkaufen, der andere, um die Lebensmittel, die er zum Leben brauchte, zu erstehen. Markt-Idylle pur.
Heute ist es meist so, dass der Konsument in den Supermarkt geht und keinen persönlichen Bezug mehr zum Produzenten hat. Anscheinend können Herkunftsangaben nicht mit persönlichem Kontakt konkurrieren. Oft hegen Konsumenten sogar Misstrauen ob der Richtigkeit dieser Angaben.

Apropos Supermarkt. Hofer. Ich traue meinen Augen nicht. Im Kühlregal entdecke ich zum ersten Mal einen "fri fru"-Becher. Dieser ist vom Aussehen her dem "fru fru" von Nöm sehr ähnlich - nur halt mit einem i statt dem u. Ob das markenrechtlich in Ordnung ist? Oder kommt das Produkt etwa vom selben Hersteller? Ich habe den Unterschied auf jeden Fall erst auf den zweiten Blick bemerkt.
Ich möchte den Hersteller herausfinden. Nach diversen Recherchen erfahre ich, dass Nöm etwas bei der fru-fru-Rezeptur geändert hat und deshalb manche zum Plagiat von Hofer gewechselt haben. Dieses kopiert nämlich noch das gute, alte fru fru. Seit März 2009 gibt es nun "fru fru wie damals" - wieder mit der alten Formel. Mal schauen, ob sich die abgewanderten Stamm-Löffler wieder zurückgewinnen lassen, der alten Zeiten willen und mit viel Joghurt-Idylle.
Über den Hersteller von fri fru bringe ich übrigens nichts in Erfahrung. Nicht einmal auf der Hofer-Website. Beim nächsten Einkauf beim Hofer kann ich das Rätsel vielleicht lösen.

Apropos Markenware. Wir waren seit ungefähr einem Jahr wieder am Brenner - und der hat sich während dieser Zeit gewaltig verändert. Es war Sonntag, wir hatten Durst und wollten etwas trinken. Deshalb gingen wir durch einen Nebeneingang in einen großen, neuen Komplex, der als einziger offen zu haben schien. Und wie der geöffnet hatte! Eine unüberschaubare Anzahl von Mode-Outlets waren dort und warben selbst am Sonntag um die Gunst der Konsumenten. Kein Vergleich mit der verträumten, menschenleeren, idyllischen Erscheinung ein Jahr zuvor.

Die idyllischen Plätze, an denen man die Seele - sofern es eine solche gibt - baumeln lassen kann, werden rar. Alles weicht dem Konsum.
Oder liegt es daran, dass man dazu tendiert, zu glauben, dass das Vergangene besser war als die Gegenwart?

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Kommentare

25. Mai 2009, 10:41 Fri Fru Fru

von: Dany

Also dieses ominöse Fru Fru, dass "wie damals" schmecken soll, hab ich bereits getestet, da ich den säuerlichen Geschmack des Original Fru Frus aus dem Glas geliebt hab. Fazit: Es sieht aus wie damals, klumpig, aber es schmeckt nicht so, habe kaum einen geschmacklichen Unterschied zu den "neuen" Fru Frus ausmachen können. Die typische Säure fehlt nach wie vor. - Vielleicht sollte ich auch mal das Hofer Fri Fru testen. *g*

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25. Mai 2009, 23:42 Idylle

von: Manu, http://noshadows.blogspot.com

Die Marktidylle habe ich noch gut von Salzburg in Erinnerung, wo ich regelmäßig auf den Wochenmarkt zum Einkaufen gegangen bin. Das hat einfach etwas Geniales, mit einem geflochtenen Korb durch die Stände zu schlendern und die Herzlichkeit, mit der die Verkäufer ihre Ware anbringen, aufzusaugen. Da wird man in eine ruhigere, entschleunigte Zeit zurück versetzt.
Auf Mittelaltermärkten ist es ähnlich. Die Leute sind auf der Suche nach einem Weg in die Einfachkeit, in der direkter Kontakt und Zwischenmenschliches noch ganz oben steht. Irgendwie findet jeder seine Nische. Mir geht's so nach Kendo-Seminaren, wenn ich in meiner Wohnung stehe (oder liege) und einfach keine Lust auf Computer oder unnötige Komplexität und Verschleierung habe.

Bei den idyllischen Plätzen glaube ich tatsächlich, dass sie weniger werden. Allerdings liegt m.E. vieles an der persönlichen Einstellung und der eigenen Herangehensweise. Wir werden zunehmend kritischer und verlieren damit auch den "sense of wonder". Leider.

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02. Juni 2009, 15:09 Bericht des Selbstversuches Fru fru wie damals

von: CwB, www.andersleben.at

Auch ich habe das "Fru fru wie damals" einem geschmacklichen Test unterzogen. Und um mein Resultat gleich einmal vorwegzunehmen: mit dem selben Urteil wie Dany...

Der Aufbau - oben Joghurt, unten die Frucht - ist schon so wie damals. Der Geschmack, um den es eigentlich gegangen wäre, den haben die Hersteller dezent übersehen... es dürfte sich um visuell orientierte Marketing-Fachleute handeln, die dafür verantwortlich sind.
Sollten sie aber doch noch dahinter kommen, dass der Geschmack des Rätsels Lösung ist, wie nennen sie ihr Produkt dann? Den Namen "Fru fru wie damals" finde ich ja schon genial.

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27. Juli 2009, 17:55 Endlich recherchiert

von: CwB, www.andersleben.at

Ich habe den Produzenten des Hofer-Fru-Fru-Klons Fri-Fru ausfindig gemacht!

Es handelt sich um die Kärntnermilch reg. Gen.m.b.H.. Auf deren Website konnte ich jedoch keinen Hinweis auf eine Kooperation mit Hofer entdecken - obwohl es dafür einen eigenen Menüpunkt Partner/Links gäbe...

Um nochmals auf die Website zurückzukommen... für mein 15" Notebook ist diese zu groß - und da sie eine statische Höhe hat, erfreuen mich zwei Scrollbalken, einer meines Browsers und einer im Flash. (Off-Topic, ist mir nur unangenehm aufgefallen *G*)

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