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15. August 2018, 12:52

Ein Zahn-Albtraum

von: Christian

Es ist ein schöner Sommer-Morgen, als C. in seinem Bett erwacht. Er hat gut geschlafen und fühlt sich ausgeruht. Die Sonne blinzelt herein und draußen zwitschern schon die Vögel.

Doch der Schein trügt: im Gegensatz zum morgendlichen Idyll haben die Bakterien in der Nacht einen Großangriff auf seine Zähne gestartet. Der im Schlaf verminderte Speichelfluss half ihnen, eine Bresche zu schlagen. gesund24.at: Zähneputzen vor oder nach dem Essen?

Ahnungslos startet C. seinen Tag mit einem köstlichen Frühstück: frisch zubereiteter Haferbrei mit Apfelstückchen. Dazu holt er sich noch einen Orangensaft, an dem er immer wieder genüsslich nippt.

In seinem Mund attackieren einstweilen die Säuren aus den Lebensmitteln den Zahnschmelz. Sie entziehen ihm Mineralstoffe und machen ihn weich. Durch das langsame Trinken bleiben die Säuren länger im Mund und wirken länger auf den Zahnschmelz ein. So bietet der Zahnschmelz den Bakterien eine offene Flanke. Spült man anschließend den Mund mit Milch oder einer fluoridhaltigen Mundspülung, wird die Belastung etwas neutralisiert und die Zähne können bald danach geputzt werden. Auch kalziumreiche Nahrungsmittel wie Käse oder Milch helfen, die Säure zu neutralisieren. Addy & Shellis 2006 | gesund.at: Zähne leiden unter moderner Ernährung | schwaebische.de: Lieber gleich Zähne putzen als gar nicht

C. hat gelesen, dass die Zähne nicht unmittelbar nach dem Frühstück geputzt werden sollen, da dadurch der Zahnschmelz vermehrt abgerieben wird. Er lässt die morgendliche Zahnpflege aus – er ist ohnehin schon wieder spät dran.

Zum Zähneputzen nach dem Essen gibt es unterschiedliche Standpunkte. Durch das Putzen des aufgeweichten Zahnschmelzes wird dieser mehr abgetragen. Neueren Studien zufolge dürfte es jedoch weniger relevant sein, ob die Zähne sofort nach dem Essen oder eine halbe Stunde später geputzt werden. Proteine im menschlichen Speichel verhindern, dass dieser den Zahn remineralisiert. Fluorid hingegen, das in den meisten Zahnpasten vorkommt, kann den Zahn sehr wohl remineralisieren. Dazu benötigt es aber selbst bei optimalen Verhältnissen lange. Einig sind sich die Experten allerdings, dass in der Früh geputzt werden sollte. Da die Essensreste eher zwischen als auf den Zähnen sitzen, bieten sich nach dem Essen außerdem Zahnseide und Munddusche an. Tsuda et al. 2016 | zm-online.de: 30 Minuten Karenz sind unnötig | Lussi et al. 2014 | Iijima et al. 1999 | zeit.de: Soll man die Zähne besser vor dem Frühstück putzen als danach?

Gerade noch rechtzeitig schafft es C. zur Arbeit. Nachdem er endlich alle eingegangenen E-Mails durch hat, genehmigt er sich eine kleine Pause – und einen kleinen Snack. Er öffnet die Schublade und fischt triumphierend eine Tafel Milchschokolade heraus.

Auch die Bakterien triumphieren. Der Zucker in der Schokolade ist eine extra Ration, aus der sie zusätzliche Kraft für ihre Attacke schöpfen. Sie wandeln Zucker aus der Nahrung in Säure um, die den Zahnschmelz auflöst. gesundheit.gv.at: Karies: Was ist das?

Der Tag war anstrengend gewesen und C. ist vor dem Bettgehen schon sehr müde. Zu müde, um sich ordentlich die Zähne zu putzen. Nach ein paar Bürstenbewegungen lässt er es gut sein und spült den Mund aus.

Vor dem Schlafengehen wollen die Zähne aber ordentlich geputzt werden. Ordentlich bedeutet etwa zwei bis drei Minuten, mit nur mäßigem Druck. Die Zahnbürste sollte weiche bis mittelharte Kunststoffborsten haben. Zuviel oder zu langes Putzen ist auch nicht gut, da dadurch der Zahnschmelz angegriffen wird. Nach dem Putzen sollte der Mund nicht ausgespült werden, damit das Fluorid nicht ausgespült wird und einwirken kann. wgkk.at: Zähne putzen – aber richtig! | apotheken-umscha.de: Direkt nach dem Essen Zähne putzen? | focus.de: Nach dem Zähneputzen ausspülen oder nicht? Die meisten machen es falsch | schwaebische.de: Lieber gleich Zähne putzen als gar nicht

In der Nacht wälzt C. sich im Bett hin und her und träumt von einem riesigen Zahn. Er steht auf dem Zahn und hört, wie irgend etwas unter ihm daran nagt. Der Zahn beginnt sich langsam zu neigen. C. versucht noch, sich festzuhalten. Aber es gelingt nicht. Er fällt. Im Fallen sieht er kleine, schwarze Geschöpfe, die sich am Zahn zu schaffen machen. Dann schlägt er am Boden auf – und wacht auf. Er tastet seinen Mund ab. Alle Zähne sind noch an ihrem Platz. Schweißgebadet steht C. auf und geht ins Bad – Zähne putzen.

Quellen

Addy M, Shellis RP. (2006). Interaction between attrition, abrasion and erosion in tooth wear. Monographs in Oral Science 20. 17–31.

Iijima Y, Takagi O, Ruben J, Arends J. (1999). In vitro remineralization of in vivo and in vitro formed enamel lesions. Caries Research 33(3). 206–13.

Lussi A, Lussi J, Carvalho TS, Cvikl B. (2014). Toothbrushing after an erosive attack: will waiting avoid tooth wear? European Journal of Oral Sciences 122(5). 353-359.

Tsuda, Y, Kitasako, Y, Sadr, A, Nakashima, S, Tagami, J (2016). Effects of brushing timing after erosive challenge on enamel loss in situ: White light interferometer and nanoindentation study. Dental Materials Journal 35(4). 613–620.

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Kommentare

03. September 2018, 17:33 Toller Beitrag!

Gerade vorm Schlafengehen, bin ich manchmal zu Faul.
Aber eine sehr unterhaltsame und informative Geschichte!

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