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25. Juni 2011, 21:08

Der Fisch und die Zwei-Weltentheorie

von: Sári

Die Geschichte vom Fisch - von Sára Bereczki

Ich hatte einen Fisch, falls Ihnen das was sagt, es handelte sich um eine Siamesische Saugschmerle. Diese Fische werden üblicherweise sehr jung, mit einer Größe von ca. drei bis vier Centimetern gehandelt. Was dem Käufer nicht bewusst vermittelt wird, ist die Eigenheit dieses Fisches, dass dieser (wirklich außerordentlich putziger Fisch, der noch dazu nützlich ist, weil er sich den ganzen Tag der Reinigung widmet) eine Größe von bis zu 20 Centimetern erreicht. Wissen Sie, dass die Eigengröße dieses Fisches zum wahren Drama seiner Existenz mutiert, weil die Haltung in einem Durchschnittsaquarium dem Fisch den Bewegungsspielraum raubt?

Die Natur dieses Fisches bringt es nun mit sich, dass sich dieser Fisch nicht - wie die anderen Arten - an die individuelle Aquariengröße anpasst, sondern eben die Eigengröße erreicht, die ihm eigen ist, auch oder trotz des Umstandes, dass es wesentlich effektiver und intelligenter wäre, sich der äußeren Umgebung entsprechend konform zu verhalten. Nun kommt es manchmal vor, dass aus diversen Umständen heraus, der Aquarienbetreiber die Fische in ein externes Behältnis aussiedeln muss, um beispielsweise das Aquarium zu reinigen. (Erwähnen sollte ich an dieser Stelle, was die meisten Menschen nicht wissen: ein gut und schön eingerichtetes Aquarium, - ohne Plastik - ein durchdachtes und gutes Werk, bildet einen in sich geschlossenen biologischen Kreislauf, der sich - vorausgesetzt die Arten wurden vorher sorgfältig ausgewählt und auf einander angepasst - von selbst d.h. ohne äußere Eingriffe zu erhalten im Stande ist!)

Doch zurück zum externen Behältnis und um auf den Punkt zu kommen: es geschah eines Tages, dass dieser Fisch, der jede Anpassung verweigerte und außerordentlich nützlich und schön anzusehen war, aus Mangel an Bewegungsfreiheit aus dem Gefäß hinaussprang. Man könnte dem Fisch also - aus unserem Bewusstsein heraus - unterstellen, dass er ein außerordentlich dummer Fisch gewesen ist. Keinesfalls hat er aufgegeben, er hat lediglich den Rahmen verlassen. Jedenfalls war ich nicht anwesend, als seine Natur oder sein Wesen ihn dazu veranlassten, den Ort seiner Lebensbedingung - das Wasser - zu verlassen. Die Folge war der Tod des Fisches.

Was denken Sie, was ich mit meiner Rede über den Fisch Ihnen vermitteln möchte? Ich denke, um uns würde es ähnlich geschehen, würden wir versuchen unsere Vorstellung zu überschreiten und unsere Umwelt zu verlassen; Phantasie ist gefährlich, sie verändert Realität. Wir können über das Außerhalb unseres Seins in transzendentaler Weise nichts - nichteinmal sinnvolles oder etwas sinnloses - sagen, weil wir immer schon Beschränkungen unterworfen sind, die unsere Erfassungsvermögen auf bestimmte Bereiche beschränken. Die einzige Möglichkeit, dieses Spiel der Bedingungen zu durchbrechen, ist der existenzial geworfene ent-wurf zum Tode hin, wie Martin Heidegger sagt.

Doch eine Frage in dieser Geschichte bleibt noch unberührt: Wie kommt es, dass ein Fisch, falls es mir gestattet ist, die doppeldeutige Rede anzuwenden - was ansich antinomisch ist oder auch dialektisch; suchen Sie es sich aus -: ich habe Ihnen verraten, dass ich doppeldeutig rede, also rede ich eindeutig! Doch zurück zum Fisch: wie kommt es also, dass dieser Fisch den Drang - unterstellen wir ihm Vorsatz, Ahnung, Bedürfniss, Willen, Vorstellung - verspürt, seine eigenen Lebensbedingungen zu verlassen, nur um des erweiterten Spielraumes willen? Wie kommt es, dass er die Enge seines eigenen Seins nicht erträgt? Nochdazu: aufgrund der Tatsache, dass der Fisch diese Enge - aufgrund seiner Verweigerung der Anpassung - selbst herbei geführt hat? Seine Größe ist nicht konform mit seinem Umgebungsbedingungen! Liegt ergo ein Fehler in der Umgebungsplanung vor?
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Kommentare

17. Juli 2011, 09:44 Spiel oder kein Spiel?

von: CwB, www.andersleben.at

Stimmt, wir können nicht beurteilen, ob es schlau ist, sich aus dem irdischen Spiel zu nehmen, wissen wir doch nicht, was nach dem Spiel oder außerhalb davon ist. Ist nach dem Spiel vor dem Spiel? Oder ist das Spiel einfach vorüber und es gibt nichts danach? Oder gibt es etwas danach / außerhalb, aber wir können dort nicht überleben und folglich gibt es nur für uns nichts danach / außerhalb - für andere hingegen schon? Letzteres war bei der Saugschmerle der Fall.

Eine Anmerkung zum denotativen Inhalt: Der Evolutionstheorie bzw. dem von H. Spencer geprägten Claim "Survival of the fittest" zufolge werden unvorteilhafte Individuen bzw. Arten aussortiert, es überleben diejenigen, die sich der Umwelt anpassen oder es schaffen, sich trotz widriger Umstände fortzupflanzen.[1] Da sich die Saugschmerle nicht in ihrer angestammten Umgebung befindet, in der sie sich entwickelt hat, sondern in einer künstlichen, vom Menschen geschaffenen, müsste sie sich an die neue Situation anpassen. Der Mensch besetzt aber gestorbene Individuen einfach nach, wodurch die Unvorteilhaften zwar sterben, die an die neue Situation Angepassteren sich dadurch aber nicht besser fortpflanzen können. Somit erfolgt keine körperliche Anpassung an die neuen Gegebenheiten - die geforderte Anpassung in diesem Fall ist, dem Menschen zu gefallen. Womit wir - gesetzt den Fall man glaubt an die Evolutionstheorie - bei der Schlussfolgerung angelangt sind, dass der Fisch seine körperliche Anpassung nicht verweigert, sondern sie der Mensch vielmehr unterbindet.

Quelle

1: http://de.wikipedia.org/wiki/Survival_of_the_Fittest [Stand: 17. Juli 2011]

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