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31. Oktober 2017, 17:35

Fettnäpfchen Palmöl

von: Christian

Vergangenes Monat hat eine Greenpeace-Studie eine erhöhte Schadstoffbelastung bei Lebensmitteln mit Palmöl festgestellt. Während KonsumentInnen in Bio-Produkten gewöhnlich weniger Schadstoffe erwarten, waren auch die getesteten Bio-Lebensmittel belastet. Nur bei den Produkten ohne Palmöl und -fett lagen die Werte unter der Bestimmungsgrenze. [1]

Lebensmittel mit Palmöl enthielten hohe Dosen der gesundheitsschädlichen Fettsäureester Glycidyl- und 3-MCPD-Ester. Aus Glycidyl-Ester entsteht bei der Verdauung Glycidol. Laut dem Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation (IARC) ist Glycidol „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ und erbgutverändernd. [2] 3-MCPD gilt als „möglicherweise krebserregend“. [3]

Neben der Schadstoffbelastung wird Palmöl aber auch aus ernährungsphysiologischen, sozialen und ökologischen Gründen kritisiert.

Bereits eine einzelne größere Menge Palmöl führt zu vermehrter Fetteinlagerung in der Leber und oftmals zu einer Insulinresistenz. Langfristige Folge eines Übermaßes an Palmöl kann eine Lebererkrankung sein. [4]

Ebenso besorgniserregend sind die mit der Produktion in Verbindung stehenden Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern. [5] Indigene Völker werden vertrieben, es kommt zur Kinder- und Zwangsarbeit. [6] Die Palmölproduktion unterstützt die Zerstörung des Regenwaldes und dadurch die Ausrottung von Tiger und Orang Utan. [7, 8]

Greenpeace machte bereits 2010 darauf aufmerksam: https://www.youtube.com/watch?v=1BCA8dQfGi0

Palmöl trotzdem beliebt

Eine Palmölplantage liefert im weltweiten Durchschnitt 3,3 Tonnen pro Jahr, ein Hektar Raps nur 0,7 und ein Hektar Soja 0,4 Tonnen. Raps- und Sojaölplantagen bringen in Europa und Nordamerika jedoch den doppelten Ertrag. [6]

Palmöl findet sich auf den Zutatenlisten vieler Lebensmittel. Die Industrie setzt trotz der Risiken verstärkt auf Palmöl, da es lange haltbar ist und einen hohen Schmelzpunkt hat. Zudem - und das dürfte der ausschlaggebende Punkt sein - ist Palmöl günstig in der Produktion. Der Ertrag pro Hektar ist im Vergleich zu anderen Ölen sehr hoch. [6]

Werden die Kosten für die Umwelt, Gesundheit und andere schädliche Auswirkungen mit eingerechnet, kommt uns Palmöl unterm Strich jedoch teurer. Der Blick auf die Zutaten macht also durchaus Sinn.

Quellen

1: Greenpeace-Factsheet Testergebnisse Palmöl
2: IARC: Glycidol
3: IARC: 3-Monochloro-1,2-Propanediol
4: Studie: Acute dietary fat intake initiates alterations in energy metabolism and insulin resistance.
5: derstandard.at: Palmölskandal-Studie zeigt schlechte Arbeitsbedingungen auf
6: Greenpeace-Factsheet Palmöl und RSPO [https://secured-static.greenpeace.org/austria/Global/austria/fotos/Presse/Factsheet_Palm%C3%B6l%20und%20RSPO.pdf]
7: Greenpeace: Neuer Palmöl-Report: Lizenz zum Töten
8: Orang Utans – die Opfer des Palmöl-Booms

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