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26. Mai 2013, 11:14

Leben an der Rodl

Große Rodl
Große Rodl

Gestern fand eine vom Land Oberösterreich veranstaltete Exkursion zur Großen Rodl statt, bei der man viel Interessantes erfahren konnte:

Trinkwasser

Obwohl in Österreich Fließgewässer oft Trinkwasserqualität haben, wird unser Trinkwasser dem Grundwasser entnommen. Das für diesen Zweck entnommene Wasser stellt aber nur 1% des Grundwassers dar, die verbleibenden 99% fließen wieder ins Meer und bleiben dem Kreislauf so erhalten.

Je höher die Schichten zwischen Grundwasser und Boden sind, desto besser ist ersteres vor den Einflüssen von Mensch und Tier geschützt, sind diese zu dünn, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Etwa 1% der Landesfläche ist von Grundwasserschutzgebieten bedeckt, Schongebiete mit weniger Auflagen findet man hingegen häufiger.

Ist das Wasser 60 Tage der Einwirkung von Bakterien entzogen, gelten diese als abgearbeitet, das Wasser also als von ihnen befreit. Der tägliche Trinkwasserverbrauch liegt bei uns bei durchschnittlich 150 Liter pro Person. 1

Übermäßiges CO2 im Grundwasser wird vor Auslieferung als Trinkwasser durch Kalk gebunden, damit dieses nicht zu aggressiv ist – man spricht von der Entsäuerung, ein Vorgang, der z. B. in den Kalkalpen natürlich vorkommt. Der gesundheitlich optimale Härtegrad beträgt 8–9°, je mehr Nitrit sich im Wasser befindet, desto härter ist es. Aktivkohle bindet Nitrit und Pestizide, zwei- bis viermal im Jahr werden den Wassertanks Proben entnommen.

An Spitzentagen – wenn etwa im Frühjahr die Swimming Pools aufgefüllt werden – kann der Trinkwasservorrat zur Neige gehen! Durchschnittlich werden 120 Liter pro Tag und Person verbraucht – vergleiche die Angabe weiter oben! 2

Hochwasser

Heute versucht man in der Vergangenheit mit Steinen ausgekleidete Bach- und Flussbetten wieder rückzubauen. Diese waren in eine Trapezform gezwungen worden, um mehr Bau- oder Nutzfläche zu erhalten.

Darüber hinaus versucht man mittels Wällen das Wasser von gefährdeten Gebieten fernzuhalten. Stellt sich mir die Frage, ob man diese Gebiete überhaupt bebauen hätte dürfen, wenn diese gefährdet sind – bzw. sollten diese bei Baubeginn noch nicht gefährdet waren, weshalb sie nun gefährdet sind. 3

Lebensraum

Durch Flußverbauung, großflächigen Einsatz von Drainagen und landwirtschaftliche Abwässer – z. B. Phosphor – ist die Population unserer Fließgewässer immer noch bedroht. Flußverbauung und Drainage, durch welche sich bei Regen das Wasser schnell sammelt und in die Fließgewässer gelangt, führen zu einer hohen Flussgeschwindigkeit dieser, wodurch Sedimente – bei denen es sich auch um Lebensraum handelt – weggeschwemmt werden.

Oft müssen verschiedene Bedingungen zum Laichen – z. B. gut mit Sauerstoff versorgtes, schnell fließendes Gewässer – und als Lebensraum – z. B. Plätze ohne große Fließgeschwindigkeit, an denen gute Verstecke gegen Fressfeinde existieren – vorherrschen. Werden die beiden Orte durch Verbauung – etwa durch ein Wasserkraftwerk – voneinander getrennt, kommen die Fische nicht mehr zur jeweils anderen Seite, wodurch die Fortpflanzung behindert wird. Eine Möglichkeit dem entgegenzuwirken stellen Aufstiegshilfen dar.

Auch durch Neobiota können heimische Arten aussterben – z. B. hat der amerikanische Flusskrebs einen Pilz eingeführt, gegen den er selbst immun war, der österreichische hingegen nicht, wodurch dieser heute nur noch in isolierten Gewässern vorkommt. Oft benötigt es aber auch nur einige Zeit, bis sich die heimische Fauna an die Neuankömmlinge angepasst hat, bis sich also Fressfeinde finden, die das Gleichgewicht wiederherstellen. 4

Referenten

1: Dr. Harald Wimmer, Land Oberösterreich, Abteilung Grund- und Trinkwasserwirtschaft
2: DI Wolfgang Aichberger, Wasserverband Fernwasserversorgung Mühlviertel
3: DI Franz Schamberger, Land Oberösterreich, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft
4: Dr. Hubert Blatterer, Land Oberösterreich, Abteilung Oberflächengewässerwirtschaft

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