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31. Oktober 2014, 18:55

Die Mär von der Milch

von: Christian, www.andersleben.at

Milch ist gesund! Oder doch nicht? Nachfolgend ein kurzer Vergleich der Aussagen der Ö1 Dimensionen Folge „Mythos Milch“1 mit der Infobroschüre des Agrarmarkt Austria „Milch. Die Kraft der Natur.“2.

Mythos Milch

(Ö1 Dimensionen1)

Vor 10000 Jahren gab es bei uns keine Milchproduzenten. Schwein, Schaf und Kuh kamen erst vor 10.000 Jahren als erste Milchproduzenten aus dem Orient zu uns – Laktose war bis vor ca. 7.000 Jahren von Erwachsenen unverdaubar, die Produktion des dafür notwendigen Hormons Lactase wurde nach dem Säuglingsalter eingestellt. Innerhalb der darauf folgenden 5.000 Jahre stieg die Milchverträglichkeit beim Erwachsenen von 0 auf 70 %.

1) Milch verursacht Krebs!

In Ländern mit hohem Milchkonsum gibt es eine höhere Anzahl an Prostata- und Eierstockkrebs als in nicht Milch konsumierenden Ländern. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Milch die Immunabwehr beeinflusst und den Stoffwechsel verändert. Der Gehalt des Allergens Beta-Lakto-Globalin in der Milch hat in den letzten 60 Jahren durch Züchtung und veränderte Haltung zugenommen. Als Resultat werden die Lymphozyten evtl. eingesetzt, um die Allergene aus der Milch abwehren und fehlen sodann, um z. B. Krebs zu bekämpfen.

2) Osteoporose milchbedingt

Obwohl ca. ¼ unseres Nahrungsbedarfs mit Milch, die reich an Calcium ist, gedeckt wird, ist die Osteoporose-Rate verglichen mit Ländern mit weniger Milchkonsum sehr hoch. Ein wichtiger Faktor für die Knochenmineraldichte ist Vitamin D, ohne das das Calcium nicht in die Knochen gelangt. Eine hohe Calciumkonzentration führt somit zu einem Mangel an Vitamin D und unterdrückt die Bildung des selben. Der Konsum tierischen Eiweißes hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht. Bei uns wird etwa 1/3 bis ½ der Eiweißversorgung über Milchprodukte realisiert. Säuren aus dem Abbau von überflüssigem Eiweiß verbinden sich aber mit Calcium und werden gemeinsam mit diesem ausgeschieden. Das dann fehlende Calcium wird aus dem Knochen geholt, wodurch dieser entleert wird. Laut WHO wird der Vorteil von Calcium aus tierischen Quellen durch tierisches Eiweiß beinahe aufgehoben.

3) Milch hormonell belastet

Milch aus industrieller Herstellung ist oft mit Wachstumshormonen und Medikamenten kontaminiert – erstere unter anderem auch weil heutzutage auch noch schwangere Kühe gemolken werden, um den Profit zu maximieren.

4) Alternativen

Pflanzliche Calcium-Quellen sind Sesam-Mus, Mandeln und andere Nüsse, Kohl, Brokkoli, Sojamilch. Aber auch körperliche Bewegung ist wichtig für die Knochendichte.

Milch. Die Kraft der Natur.

(AMA-Broschüre2)

Bei allen Säugetieren – so auch beim Menschen – bilden Neugeborene das Enzym Lactase, mit dem die Laktose – der Milchzucker – verdaut werden kann. Fehlt dieses, beginnt die Laktose zu gären und hat unangenehme Folgen. Gut 90 % der österreichischen Bevölkerung kann Laktose verwerten. In Asien und Afrika hingegen können 90 % der Bevölkerung keine Laktose verdauen – dort dienen Sesam oder Soja als Kalzium-quellen. Da Milch alle Aminosäuren, die wir benötigen, enthält, ist sie ein wichtiger Eiweißlieferant – und genauso ein wichtiger Kalzium-Lieferant (¼ der Aufnahme). Milch ist beteiligt am Aufbau von Knochen und Zähnen, wird aber auch für Nerven, Muskeln und Verdauung benötigt.

1) Milch senkt Krebsrisiko!

Milch erhöht das Krebsrisiko nicht, es könnte im Gegenteil sogar das Risiko für Blasen-, Brust-, Darm- und Magenkrebs senken. Auch lässt Milch das Risiko für Typ-2-Diabetes und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht steigen – es gibt Indizien dafür, dass auch dieses dadurch sinkt.

2) Osteoporose hat andere Gründe

Für die Entstehung von Osteoporose gibt es drei maßgebliche Faktoren: Kalzium, Eiweiß und Vitamin D. Hierzulande wird die durchschnittliche Zufuhrempfehlung für unsere wichtigsten Kalziumlieferanten – Milch und Milchprodukte – nicht erreicht. Darüber hinaus bekommen wir in der kalten Jahreszeit zu wenig Sonnenlicht im Freien ab, um genügend Vitamin D zu synthetisieren. Dadurch erklärt sich die geringere Osteoporose-Rate in Afrika und weiten Teilen Asiens. Dort sind ca. 90 % der Bevölkerung laktoseintolerant und müssen Kalzium folglich anderweitig aufnehmen.

3) Hormone kein Problem

Da der Körper selbst ein Vielfaches der durch Milch aufgenommenen Hormone produziert, stellen diese kein Problem dar. Hormone zur Steigerung der Milchleistung sind in der EU verboten.

4) Käse bei Laktoseintoleranz

Da während der Käsereifung der Milchzucker meist auf natürliche Weise abgebaut wird, können auch Laktoseintolerante die meisten Käseprodukte essen. Bei der Milcheiweißallergie handelt es sich hingegen um eine Krankheit, von der 1-3 % der Bevölkerung betroffen sind – hier sind auch Milchprodukte zu meiden.

Mein Fazit

Während laut Mythos Milch „nur“ 70 % der heimischen Bevölkerung Milch verdauen können, sind es laut „Kraft der Natur“ 90 %. Auch ein Artikel im Standard3 nennt die 70 % – eine genauere Betrachtung der Daten und deren Auswertung würde wahrscheinlich über die Diskrepanz Auskunft geben. Während Prostata- und Eierstockkrebs durch den Milchgenuss leicht gefördert werden, wird das Risiko für Blasen-, Brust-, Darm- und Magenkrebs leicht gesenkt – vgl. auch den Artikel im Standard3. Die beiden Beiträge konzentrieren sich je nur auf eine der beiden Seiten. Beide sind sich zwar darüber einig, dass die Osteoporose-Rate bei uns höher ist als in Ländern, in denen kaum Milch konsumiert wird – der Grund wird aber einerseits im Milchkonsum selbst und andererseits in der bei uns zu geringen Sonnenexposition gesucht. Die im „Mythos“ aufgezeigte hormonelle Belastung von Milch wird im „Kraft der Natur“ in Verhältnis zur viel höheren Eigenproduktion derselben gesetzt. Während der AMA-Flyer nicht auf einen Zusammenhang zwischen Eiweißzufuhr und Calciumaufnahme eingeht, fehlt im Dimensionen-Beitrag ein Hinweis darauf, dass Käse oft trotz Laktoseintoleranz gegessen werden kann. Meist wird nämlich während der Reifung der Milchzucker auf natürliche Weise abgebaut.

Die beiden Beiträge beleuchten also das Thema von unterschiedlichen Seiten und lassen andere unbeleuchtet. Betrachtet man aber beide, bekommt man einen umfangreicheren Eindruck von der Sachlage. Wären dann noch die jeweiligen Interessen zu recherchieren und berücksichtigen ...

Quellen

  • 1: Jaeggi, Peter (Gestaltung): „Mythos Milch“, Dimensionen vom 10. 9. 2014, Ö1
  • 2: „Milch. Die Kraft der Natur.“, Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH, Wien, 2014
  • 3: Hein, Till: „Umkämpfte Kuhmilch“, derstandard.at, Wien, 24. 6. 2014 [Stand 14. 10. 2014]
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15. November 2014, 23:45 Calciumverlust aufgrund von Salzkonsum!

von: Christian, www.andersleben.at

Ein - bei uns in allen Altersschichten verbreiteter[2] - zu hoher Salzkonsum und die damit einhergehende erhöhte Natriumausscheidung im Urin führt auch zu einer erhöhten Calciumausscheidung.[1, S. 183] Dadurch kann eine verminderte Knochendichte - zumindest teilweise - erklärt werden!

In unseren Breiten wird übrigens eine maximale Speisesalzzufuhr von 6 mg/Tag empfohlen.[1, S. 183]

Aber auch eine zunehmende Dosis von Proteinen mit hohem Anteil schwefelhaltiger Aminosäuren - so wie es vor allem bei tierischen Proteinen der Fall ist - begünstigt die Ausscheidung von Calcium.[1, S. 192]

Quellen:

1: DGE/ÖGE/SGE (2000). "Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr", 1. Auflage, Neuer Umschau Buchverlag, Neustadt an der Weinstraße

2: Elmadfa, Ibrahim et al. (2012). "Österreichischer Ernährungsbericht 2012.", 1. Auflage, Wien, S. 5 und 7

Kommentare

29. November 2014, 19:36 Österreich ist Spitze im Milchkonsum

von: Christian, www.andersleben.at

Mit einem Milchkonsum von 97,2 kg Milch pro Kopf und Jahr rangierte Österreich 2008 im weltweiten Vergleich übrigens auf Platz 2 - gleich hinter dem „Sieger“ Australien mit 107,2 kg. Berücksichtigt wurden auch verarbeitete Milchprodukte, deren Konsum überproportional stark ansteigt.

Quelle: Artikel über Milch auf Wikipedia [abgerufen am 29. 11. 2014]

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